Neue Flutmulden Grasheide

Erschienen im Naturspiegel Heft 80 Januar-März 2011

 

Wiederherstellung einer Flussaue mit naturnahen Lebensräumen -  oder: wie bekommt man wieder Wasser in die mühsam trockengelegte Aue?

 

 

Nicht zuletzt die großflächige Trockenlegung der Fließgewässerauen hat zusammen mit einer Begradigung der Fließgewässer und Verfüllung ehemaliger Flussaltarme zu dem enormen Artenrückgang der letzten Jahrzehnte beigetragen. Sumpfwiesen sind eine Seltenheit, Bruchwälder oder größere zeitweise überstaute Auwälder noch seltener.

Viele der darauf angewiesenen Tier- und Pflanzenarten befinden sich auf den aktuellen Roten Listen der gefährdeten Arten. Bekannte Beispiele aus der Vogelwelt sind: Bekassine, Kampfläufer, Großer Brachvogel und Uferschnepfe, alles Vögel der Feuchtwiesen und Uferblänken. Sie sind entweder in Nordrhein-Westfalen mittlerweile ausgestorben (Kampfläufer) oder auf dem Weg dorthin (Bekassine, Uferschnepfe). Einzig der Brachvogel schafft es, da er auch Ackerflächen zur Brut nutzen und sehr alt werden kann, stellenweise zu überleben.

Daher war auch aus Sicht des Naturschutzes eine dringliche Aufgabe der letzten Jahre und auch der Zukunft: Wie bekomme ich wieder Wasser und damit verbunden naturnahe Feuchtlebensräume zurück in die trockene Aue?

nahe Langendonker Mühle, Bild: NABU Grefrath
nahe Langendonker Mühle, Bild: NABU Grefrath

 

Hochwasseranschluss

Ein Beispiel wurde jetzt im Naturschutzgebiet Grasheide, in der Niersniederung vom Niersverband in Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen und unter Mitbetreuung der Biologischen Station Krickenbecker Seen realisiert:

Im Grünland angelegte Blänken wurden mit einem regelbaren Hochwasseranschluss wieder an die Niers angeschlossen. Das bedeutet, dass bei einem Hochwasser zeitweise Wasser über die regelbaren Zuläufe in die Grünlandfläche einlaufen kann, die Blänken geflutet werden und nach Schließung der Zuflüsse kann die überstaute Fläche langsam wieder abtrocknen. Der Vorteil ist, neben der Schaffung von Wasserrückhalteräumen bei Hochwässern entwickeln sich auch Schlammflächen im Uferbereich der Blänken und zeitweise überstaute Feuchtwiesenflächen.

Das sind wichtige Nahrungsräume für Wiesenlimikolen, Enten und andere Rastvögel (Silberreiher, Rohrdommel, Wasserralle) und diese Flächen sind als erste bei den Trockenlegungen der Auen verschwunden.
Gleichzeitig muss sichergestellt bleiben, dass auch bei Hochwasser Anwohner trockene Keller behalten und die die Blänken umgebende Grünlandfläche extensiv beweidet oder gemäht werden kann. Ohne eine naturschutzkonforme Nutzung der Flächen würde über die natürliche Sukzession Wald entstehen und das kann auch nicht das Ziel in einer naturnahen Grünlandaue mit Blänken sein.

Niederfeld, Bild: NABU Grefrath
Niederfeld, Bild: NABU Grefrath

 

Viele Fragen

So sind bei einer Renaturierung einer Fließgewässeraue immer wieder Kompromisse zu schließen und manchmal erscheint die Umsetzung der Maßnahmen einem Experiment zu gleichen: Ausprobieren und kontrollieren, welche Arten sich einstellen, scheint die beste Devise zu sein.

Ein Beispiel: Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Flutung? Fragt man drei Naturschützer und einen Gewässerbauer bekommt man vier verschiedene Antworten. Das sollte dann auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden und es wurde ein Nutzungskonzept entwickelt.

Im Frühjahr und Sommer zur Brutzeit kann nicht geflutet werden (Überflutungsgefahr für Gelege an Gewässerufern), gleichzeitig sollen aber im Frühjahr und Herbst Schlammflächen vorhanden sein, auf denen Limikolen rasten und Nahrung finden können. So muss als erstes festgestellt werden, welche Vögel brüten dort, um dann ggf. eine Flutung zuzulassen, wenn keine Gelege gefährdet werden. Wenn die Fläche beweidet werden soll, müssen empfindliche Pflanzen ausgezäunt werden, sonst werden sie als erstes aufgefressen.

 

So setzte sich ein Team aus:

  • Kreis Viersen, Amt für Bauen und Planung (Flächeneigentümer und Umsetzung der Uferpflege und naturnahen Nutzung der Blänkenflächen)
  • Biologischer Station (Kontrolle der vorkommenden Vögel und Pflanzen) und
  •  Niersverband (Umsetzung und Planung der Baumaßnahmen, Regelung der zeitweisen Flutung)

zusammen, um ein Nutzungskonzept zu erstellen. Nach diesem Konzept wird jetzt seit etwa zwei Jahren verfahren: Flutung im Herbst und Winter und ggf. im Sommer bei hohen
Sommerhochwässern; im Rest des Jahres geschlossene Zuläufe. Die Flächen wurden an einen ortsansässigen Landwirt verpachtet, der die Flächen extensiv möglichst lange im Jahr beweidet.

 

Erste Erfolge

Es stellten sich schon erste Erfolge ein: Es brüten wieder Kiebitze auf der südlichen Blänkenfläche, Reiherenten in den Blänken, Schnatterenten, Krick- und Knäkenten sind Rastvögel neben Uferschnepfe, Dunklem Wasserläufer, Bekassine, Zwergschnepfe, Silberreiher und Grünschenkel.

In den ausgezäunten Schilfröhrichten brüten Teich- und Sumpfrohrsänger, Teich-, Bläss- und Wasserrallen sowie Rohrammern und auf den Weidezäunen sitzen Schwarzkehlchen. Die nicht ausgezäunten Röhrichte sind von den wenigen Jungrindern im Laufe des Sommers vollständig verbissen worden (keine Brutvögel!), junge Triebe wachsen aber schon wieder nach und lassen ein stabileres Röhricht erwarten, wenn es denn nicht wieder aufgefressen wird.  Es wurde deutlich, dass eine Auszäunung empfindlicher Röhrichte notwendig war. Von den Wanderwegen aus lässt sich schon auf den ersten Blick eine strukturreiche, feuchte bis nasse Wiesenfläche mit Hochstauden- und Röhrichtsäumen erkennen.

Bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten Jahren verändert. Das Potential für dynamische Entwicklungen ist vorhanden und lässt hoffen. Weißstörche wurden auch schon gesehen.

Text: Dipl.-Biol. Stefani Pleines     Fotos: Eva Stolzenberg

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