Weidenhaus bauen

Weidenhaus für KITA in Oedt, 2011
Weidenhaus für KITA in Oedt, 2011

Weidenhäuser

Bauen mit lebendem Material

 

Weiden begegnen uns in einer Vielfalt von über 450 verschiedenen Arten. Schwierig wird die Zuordnung zu einer Art dadurch, dass viele dieser Arten Mischlinge aus anderen Arten sind.

Als Kulturbaum wird sie schon seit langer Zeit genutzt. Beispielsweise für Weidenhäuser, Flechtzäune, zum Korbflechten oder als Kopfweide. Weidenhütten dienten ursprünglich den herumreisenden Schäfern als einfach gebautes Haus in der Nähe der Herde.

 

Bei der Pflanzung von Weiden macht man sich die Vitalität des Weidenholzes zunutze, denn Weidenstecklinge treiben, wenn sie als frisch geschnittenes Holz in den Boden gesteckt werden willig wieder aus und wachsen so zu einem neuen Baum heran.

Geeignet sind feuchte Standorte mit hohem Grundwasserstand wie z.B. Feuchtwiesen. Zu trockene oder sandige Böden sind nicht geeignet. Weidenobjekte müssen immer in voller Sonne stehen, denn die Weiden gedeihen im Schatten nicht.

 

Die Kriterien für die Eignung der Weidenart zum Bauen sind durch die Biegsamkeit des Materials und durch die Stabilität festgelegt

 

Einige Beispiele für Weidenarten und deren Eignung zum Bau von Weidenobjekten sind:

Salix alba Silberweide

eingeschränkt geeignet

Salix aurita

Ohrweide

ungeeignet

Salix caprea

Salweide

wenig geeignet

Salix cinerea

Grauweide

ungeeignet

Salix fragilis

Bruchweide

ungeeignet

Salix purpurea

Purpurweide

gut geeignet

Salix vimenalis

Korbweide

gut geeignet

 
KITA Weidenhaus, 2013
KITA Weidenhaus, 2013

 

Weidenobjekte sollten in der Winterzeit von November bis April gepflanzt werden. Die beste Zeit ist von Anfang Januar, wenn die Weiden frisch geschnitten sind und kein Frost mehr im Boden ist, bis in den März.

Damit die Weidenstangen lebendig bleiben, müssen sie nachdem sie vom Baum geschnitten wurden -immer feucht- am besten im Wasser liegend gelagert werden.

 

Zur Vorbereitung der Pflanzung sollte bei allen Objekten wegen der dichten Pflanzabstände ein je nach der Länge der Setzstangen 30 bis 60 cm tiefer, durchgehender Graben (Pflanzgraben) ausgehoben werden. In diesen Graben werden die Stecklinge eingesteckt, die Erde eingefüllt und dann gut festgetreten, damit Bodenschluss entsteht. Abschließend wird die Pflanzung gut gewässert.

 

 

Nachfolgend werden einige Weidenobjekte vorgestellt

1. Weidentunnel

 

Ein Weidentunnel eignet sich gut als Verbindung unterschiedlicher Elemente.

 

Für den lebenden Weidentunnel werden die Stecklinge im Abstand von etwa 20 cm gesteckt. Man verwendet biegsame Weidenstecklinge mit einem Durchmesser von etwa 5 cm. Bei sehr hohen Weidentunneln auch dickere. Zwei parallel laufende Setzgräben sind die Vorbereitung und legen den Verlauf und die Breite des Tunnels fest.

 

Bei einem höheren Tunnel, dem Lauftunnel, werden pro Bogen zwei gegenüberstehende Setzstangen in der Mitte des Tunnels zusammengebunden und halten so die Form. Der Weidentunnel wird stabiler, wenn man diagonal gesetzte Weidenstangen miteinander verbindet und die Berührungspunkte zusätzlich stabilisiert.

Bei dem niedrigen Kriechtunnel wird pro Bogen nur eine Stange mit beiden Enden in den Setzgraben gesteckt. Dabei nutzt man die Fähigkeit des Weidenstecklings, sich an beiden Enden bewurzeln zu können.

 

Für die Gestaltung der Form des Weidentunnels ist es wichtig, in den Jahren nach dem Bau die steil nach oben wachsenden Jahrestriebe in die Form des Tunnels einzuflechten.

 

Weidentunnel
Weidentunnel

2. Rundhaus

 

Die Rundhäuser sind eine Variation der Weidenhäuser und haben eine Halbkugelform.

 

Der Grundriss ist kreisförmig. Nach dem Abstecken des Grundrisses hebt man dort einen 50 cm tiefen Pflanzgraben aus. Da das Dach einen Rundbogen formen soll, verwenden wir 2 m lange, biegsame Weidenstangen. Die Setzstangen werden im Abstand von ca. 50 cm in den Setzgraben gesteckt und eingegraben. Für den Eingang spart man eine Lücke aus. Es bietet sich auch an, den Eingangsbereich in Verbindung mit einem kurzen Tunnel zu gestalten.

 

Im Dachbereich wird der Rundbogen durch biegen der Setzstangen geformt, die Stangen werden im oberen Bereich mit einer Schnur zusammen gebunden. Um die Stabilität der Konstruktion zu gewährleisten, baut man in die Rundhauskonstruktion mehrere Querverstrebungen ein. Diese werden durch Einflechten von dünneren Weidenstäben, die an den Verbindungsstellen noch zusätzlich mit Schnur festgebunden werden können, in die Konstruktion eingebracht.

 

Der Neuaustrieb der Weiden findet in den folgenden Jahren verstärkt im oberen Bereich statt; die steil nach oben treibenden Ruten sollten in das Weidenhaus eingeflochten werden, damit die Form erhalten bleibt.

 

Weiden-Rundhaus
Weiden-Rundhaus

3. Tipi

 

Das Tipi ist eine robustere Form des Weidenhauses und eignet sich für Kinderspielstätten, bei denen eine Belastung des Weidenhauses beispielsweise durch beklettern vorhersehbar ist.

 

Man verwendet dickere Setzstangen mit einen Durchmesser von 10 bis 20 cm, die in den Pflanzgraben mit rundem Grundriss eingesetzt werden. Das Tipi läuft im Dachbereich spitz zu, dort werden die Setzstangen zusammengebunden. In der Mitte des Tipis kann auch eine dickere stehende Setzstange für zusätzliche Stabilität sorgen.

 

Querverstrebungen können auch durch einflechten von unbelebten, dünneren Weidenstöcken in die Konstruktion eingebracht werden, sie stabilisieren das Tipi und machen es dichter.

 

Tipi
Tipi

4. Schutzdach

 

Das Schutzdach ist die am einfachsten zu bauende Form eines lebendigen Weidenhauses. Durch die Eingänge an beiden Seiten kann es entweder zum verweilen oder zum durchlaufen einladen.

 

Spitz zulaufend besteht es aus zwei gegeneinander gestellten Wänden aus Weidensetzstangen. Wieder bestimmt die gewünschte Höhe des Objektes die Stärke der Setzstangen. Die Stecklinge werden in zwei parallel laufenden Gräben schräg gegeneinander gesetzt und oben zusammengebunden.

 

Die Abstände der Setzstangen sollten so gewählt werden, dass jeder Stange genug Platz zum Anwurzeln bleibt, jedoch sollen in dem Gefüge keine großen Lücken entstehen. Beim durchlaufen solcher Lücken würde der gesamte Neuaustrieb in den Folgejahren abreißen.

 

Die Seitenwände des Schutzdaches werden durch in gleichmäßigen Abständen eingeflochtene Horizontalverstärkungen stabilisiert.

 

Schutzdach
Schutzdach

5. Flechtzaun

 

Der lebende Flechtzaun eignet sich gut, um einem Gelände Struktur zu geben und um Abgrenzungen zu schaffen. Er sollte möglichst in geschwungenen Linien verlaufen. Wir verwenden Stecklinge von etwa 120 cm Länge, die in einen Pflanzgraben oder in Pflanzlöcher von 40 cm Tiefe eingebracht werden. Der Abstand der Stecklinge beträgt 30 cm.

 

Zur Stabilisierung werden in den Zaun oben, unten und in der Mitte Reihen von Weidenzweigen eingeflochten. In dieses Grundgerüst sollen in den folgenden Jahren die neuaustreibenden Zweige eingeflochten werden, damit der Flechtzaun dicht wird.

 

Flechtzaun
Flechtzaun

Diese Anleitung zum Download

Weidenhütten erfreuen sich steigender Beliebtheit als Sicht- und Windschutz, als Kinderspielhütte oder gar etwas größer als Pergola. Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wie man am besten ein Weidenhaus baut und welche Weidensorten sich am Besten eignen, erfahrt Ihr in der folgenden Anleitung

 

Anleitung Weidenhäuser bauen (NABU)
Weidenhäuser Anleitung Nabu.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.9 MB

 

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