Bleiben wir in unserer Präsentation des Krautes für den Monat Mai noch ein wenig unserem Motto "Frühjahr" treu und betrachten wiederum eines der ersten gesunden und vielseitig verwendbaren Wildkräuter des Jahres.

An diesem jedoch scheiden sich die sprichwörtlichen "Geister"!

 

Erwähnt man seinen Namen im Kreis von Gartenfreunden, geht ein Aufschrei durch die Runde. Verpönt als "unausrottbares Unkraut" ist es sicherlich eine der meistgehassten Pflanzen im wohlaufgeräumten Ziergarten. Doch verkennen wir nicht, was uns dieses Kraut zu bieten hat?

 

Schauen wir einmal genauer hin:

 

Giersch

Lateinische Bezeichnung: Aegopodium podagraria

Familie der Doldengewächse

ausdauernd

Wuchshöhe: 30 - 80 cm

Blütezeit: Mai - August

Blütenfarbe: weiß

Standort: schattig

Ernte: März bis Oktober

Verwendung: Küchenkraut (Blätter und Blüten)

Aussehen: Die sattgrünen Blätter sind doppelt dreizählig gefiedert, zugespitzt und leicht gesägt. Teilweise Abschnitte sind zweispaltig. Ab Mai bilden sich an aufrechten Stengeln Doldenblüten mit kleinen weißen Blüten. Ein typisches Merkmal ist der dreikantige Blattstiel, der bis zu 20 cm lang wird.


 

Den Giersch findet man in nahezu jedem Garten und in der Natur dort, wo es schattig und feucht ist, wie an Hecken und Zäunen, unter Gebüschen, häufig auch am Rand von Laub- und Mischwäldern. Er liebt stickstoffreichen Boden.

Die Vegetationsphase des Gierschs beginnt im zeitigen Frühjahr und reicht bis weit in den Spätherbst. Unterirdisch bildet er stark wuchernde Rhizome, was seine Bekämpfung, so man sie denn will, äußerst mühsam macht, denn aus jedem kleinsten Rhizomstückchen entsteht wieder eine neue Pflanze. Diese Tatsache macht den Giersch nahezu unvergänglich und damit zum ausdrücklichen Feind des Ziergarten- Freundes.

 

Die teilweise zweispaltigen Blätter ähneln einem Ziegenfuß, was dem Kraut den Beinamen

"Geißkraut" verlieh. In ländlichen Gebieten ist der Giersch auch unter dem Namen "Zipperleinskraut" bekannt, zum Ursprung dieses Namens kommen wir an späterer Stelle.

 

 

Die nachweisliche Geschichte des Gierschs geht bis zum Mittelalter zurück.

Schon damals erkannte die Bevölkerung den Wert dieser Pflanze als willkommene Bereicherung ihres Speiseplans.

In Klöstern und Bauerngärten wurde der Giersch als "natürliche Nutzpflanze", die über einen langen Zeitraum im Jahr zur Verfügung steht, angebaut. Als eines der ersten Wildgemüse im zeitigen Frühjahr versorgte der Giersch die Menschen nach der entbehrungsreichen Winterzeit mit wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen.

Darüber hinaus fand das Kraut über das Jahr hinweg Anwendung als Heilpflanze. Man verwendete es zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden und Gicht.

Hier finden wir dann auch den Ursprung der Bezeichnung "Zipperleinskraut".

Der wissenschaftliche Artname "podagraria", mit dem der Giersch bezeichnet wird, bringt die Pflanze in Beziehung zur Gicht, "Podagra" ist die Bezeichnung für

"Gicht der großen Zehe", die volkstümliche Bezeichnung hierfür ist wiederum "Zipperlein".

 

 

In der heutigen Zeit ist über die Heilwirkung des Gierschs recht wenig bekannt. Im Zuge der Rückbesinnung auf alte Heilweisen ist er jedoch durch seinen Gehalt an Kalium, Eisen, Vitamin C, Flavonoiden etc. als interessanter und wertvoller Bestandteil einer entschlackenden, blutreinigenden Frühjahrskur wiederentdeckt worden.

 

In der Wildkräuterküche erfreut sich der Giersch zunehmender Beliebtheit.

Sein Geschmack ähnelt dem der Petersilie. Junge Gierschblätter schmecken sehr gut in Mischsalaten, in Kräuterquark, Kräuterbutter, Dips und Suppen.

Für ein schmackhaftes Gemüse verwendet man auch ältere Blätter, die für den Salat zu bitter wären. Gerne wird der Giersch zusammen mit Brennesselblättern verarbeitet,

so zum Beispiel als Spinatersatz in Füllungen, Omelettes und in vielen weiteren

Variationen.

Aus den Blüten des Gierschs lassen sich zusammen mit anderen Zutaten erfrischende sommerliche Kräuterlimonaden herstellen.

 

Auch Floristen haben in neuerer Zeit die Schönheit der filigranen, lange haltbaren

Gierschblüten entdeckt und verwenden diese vermehrt in Sträußen und Blumengebinden.

 

 

Bei all dem, was wir nun über den Giersch erfahren haben, sollten wir unsere Einstellung gegenüber dieser Pflanze überdenken. Eine Pflanze, die Jahrhunderte überdauert hat, die uns vom Frühjahr bis zum Herbst begleitet, die damit so viel Kraft bewiesen hat und Jahr für Jahr beweist, hat nach meiner Meinung mehr verdient, als dass man sie als "Problemunkraut" bezeichnet!

Aus diesem Grund ist der Giersch "mein persönliches Kraut des Monats Mai".

Machen wir uns das Motto des Monats: "Alles neu macht der Mai" zu Nutze, erarbeiten wir uns eine neue Einstellung zum Giersch und gewähren ihm Raum in Garten und Küche.

Wenn wir bereit sind, dies umzusetzen, werden wir nicht mehr die Verlierer gegen den Giersch sein. Räumen wir ihm den Stellenwert, der ihm zukommt ein, dann wechseln wir mit ihm gemeinsam auf die Gewinnerseite!

 

Ein kleiner Kräuterhexen - Tipp:

Bei Insektenstichen zerquetscht man Gierschblätter und legt den so entstandenen Brei auf die betroffene Stelle auf. Dies lindert den Juckreiz und wirkt entzündungshemmend.

…und das Schöne ist ja, den Giersch finden wir fast überall!

 

Text: Jenny Hengsten


(Die Details zur Heilwirkung aller vorgestellten Pflanzen entstammen sorgfältiger, gewissenhafter Recherche. Der Autor übernimmt jedoch keinerlei Haftung für Schäden oder Nebenwirkungen, die durch Selbstbehandlung mit Heilpflanzen entstehen)

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Canelloni mit Giersch-Ricotta-Füllung

Zutaten:

150 g Gierschblätter (oder Giersch und Brennesselblätter gemischt)

1       Knoblauchzehe

1 kl.   Zwiebel

1 El   Olivenöl

...

 

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