Streuobstwiesen

September 2012

Die Bongerte

Baumgärten am Niederrhein

Die typischen Obstwiesen am Niederrhein sind die Bongerte, die Baumgärten an den Bauernhöfen. Hier wurde das Jungvieh eingetrieben, das so nahe am Hof weidete und hier ernteten die Bauern die Früchte für den Frischverzehr, zum Einmachen oder zum Lagern bis in das nächste Jahr. Nicht nur die Höfe, auch ganze Ortsränder wurden von den Bongerten eingegrünt und bereicherten so die Landschaft.

Zumeist nur zwanzig bis fünfzig Obstbäume überwiegend Äpfel und Birnen unterschiedlicher Sorten, aber auch süße und sauere Kirschen, verschiedenen Pflaumen, Mirabellen, Renekloden vereinzelt Quitten und selten Mispeln waren in Reihen im Bongert angeordnet und häufig von Weißdornhecken eingefasst.  Diese Hecken boten vielen Nützlingen Unterschlupf. Spechte sorgten in den alten Obstbäumen für Höhlen, die u.a. von Steinkäuzen gerne angenommen wurden, da sie auch im kurzen Gras darunter auch zu Fuß gut an die Mäuse, Würmer und andere „Leckereien“ gelangen konnten.  

 

Streuobstwiesen in anderen deutschen Landen sind zumeist weitflächiger gestreute Obstbaumanlagen, im Süden z.B. nicht selten auf ehemaligen Weinanbauflächen. In den meisten Fällen findet hier eine weniger intensive oder gar keine Beweidung statt, so dass die Flächen gemäht werden müssen.

Aus der Geschichte ist bekannt, dass Griechen und Römer für die anfängliche Verbreitung der Obstbaukultur gesorgt haben. Weitsichtige Herrscher und Klöster waren in Deutschland für die Förderung nicht nur des Wein- sondern auch des Obstanbaues verantwortlich. Obstbaumgärten fanden sich deshalb nicht nur an Schlössern und Klöstern sondern später auch an den Bauernhöfen. Zur Versorgung der Bevölkerung wurden zusätzlich Obstbäume an Straßen gepflanzt. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden vom Deutschen Pomologischen Verein über zweitausend Apfelsorten  und über tausend Birnensorten beschrieben. Viele dieser Sorten waren Lokalsorten, die überregional kaum bekannt waren. In unserem Kreis Viersen ist der „Schöne von Elmpt“ die einzige bekannte lokale Apfelsorte.

Mit der Förderung des Erwerbsobstbaues mit nur wenigen Standartsorten und dem Aufbau von Kleinbaum-Obstplantagen gingen seit etwa 1950 gleichzeitig Abschlagsprämien für Hochstammobstbäume einher und der drastische Rückgang der Streuobstwiesen wie auch der Bongerte. Etwa 70 % der Bestände sind verloren gegangen.

Inzwischen fördern die EU, das Land NRW wie auch Städte und Kreise wieder die Pflege und die Anpflanzung von Hochstamm-Obstbäumen in Streuobstwiesen und in Bongerten. Da auch Eigentümer wieder diese Anlagen schätzen lernen, hat der NABU in fast allen Landes-, Kreis- und Ortsverbänden den Schutz der Streuobstwiesen als lohnenden Aufgabenbereich des Naturschutzes erkannt. Der NABU Krefeld-Viersen e.V. hat vor über 20 Jahren das Projekt zum Schutz und der Erhaltung der Obstwiesen aufgebaut: er berät seitdem interessierte Besitzer, er pflanzt, pflegt und beerntet Hochstamm-Obstbäume und vermarktet die Produkte der Obstwiesen. Das bedeutet, dass jährlich 200-300 Obstbäume gepflanzt, etwa 3000 Hochstamm-Obstbäume gepflegt und bis zu 50 Tonnen Äpfel geerntet werden.

 

Text:

Günter Wessel und Philipp Peters,

NABU Bezirksverband Krefeld/Viersen e. V.,

 

September 2012

 



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