Pappel (Populus)

November 2013

Ungeliebte Kiefern und Pappeln

Anscheinend liegt es in der menschlichen Natur, etwas erst dann zu achten, wenn es nicht mehr da ist. Der Wert von Lebensräumen wird auch vom Naturliebhaber und -schützer manchmal erst erkannt, wenn sie verschwunden sind oder auf ein kritisches Maß zurückgedrängt wurden.

 

Dieser Artikel von Armin Hemmersbach ist dem Naturspiegel 2/2008 entnommen.

 

Ungeliebte Kiefern und Pappeln
Naturspiegel 2-2008 Ungeliebte Kiefern u
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Video: Die Pappeln am Niederrhein

Bericht über die Pappelinitiative im WDR

Veröffentlicht in

"Dat Üdsche Heimatblätsche 2013"

Heimatverein Oedt e.V.

 

Zusammengestellt und fotografiert von Edeltraud Spee

Unser heimischer Baum

Die Pappel

Pyramidenpappel, Bild: Edeltraud Spee
Pyramidenpappel, Bild: Edeltraud Spee

Seit meiner Kindheit gehören für mich die Nierslandschaft und die Pappeln zusammen. Über weite Strecken säumten hohe, meist schlanke Pappeln die Ufer der Niers. Ihr Blätterkleid, frischgrün im Frühling, silbrig im Sommer und gelb und zunehmend filigraner werdend im Herbst sowie auch die blätterlosen Silhouetten ihrer Kronen im Winter mit den in der Sonne glänzenden rötlichen Blattknospenansätzen für die nächste Vegetationsperiode – all das hatte einen besonderen Reiz für mich. Weil ich nahe der Niers wohnte, begleitete mich das ständige Rauschen der Pappeln bis in den Schlaf. So ist dieser Baum für mich  eine sehr schöne und prägende Kindheitserinnerung.

 

Pappeln im Winter, Bild: Edeltraud Spee


Umso mehr bedauerte ich, dass immer mehr Pappeln an der Niers krank wurden, gefällt werden mussten oder den zunehmenden Stürmen zum Opfer fielen.
Die Pappel (lat.: populus) gehört wie die Kopfweide zur Familie Salicaceae. Es gibt zahlreiche Pappelarten. Dabei ist die hier am Niederrhein bekannteste die Schwarzpappel, die Kanadische Pappel und deren Hybriden (Züchtungen). Weitere Arten sind u.a. die Silber- oder Weißpappel, die Pyramidenpappel und die Zitterpappel  (Espe). Letztere bewegt ihre Blätter schon beim leisesten Windhauch  Die Redewendung „Zittern wie Espenlaub“ hat hier ihren Ursprung.
Pappeln wachsen straff aufrecht und werden etwa 30 Meter hoch. Sie sind sehr schnellwüchsig und haben einen Zuwachs von teilweise bis 80 Zentimeter in einem Jahr.
Ihre Rinde variiert je nach Art und Alter zwischen hell- bis dunkelgrauer Farbe und glatter bis längsrissiger Struktur.
Sie bevorzugen Flussufer und benötigen feuchten, nährstoffreichen, alkalischen und durchlässigen Boden, einen hellen sonnigen Standort und vertragen keine Trockenheit. Ihre Wurzeln sind meist flach und weitstreichend.
Pappeln sind zweihäusig mit hängenden Blütenkätzchen. Dabei sind die rötlichen männlichen 5 bis 8 cm und die gelbgrünen weiblichen bis 10 cm lang. Aus ihren Kapselfrüchten lösen sich zahlreiche weiße wollige  Samen, die sehr  weit fliegen und ganze Flockenteppiche bilden.
Die Blätter der Pappel sind dreieckig, herz- oder eiförmig mit relativ langen Stielen.

 

Pyramidenpappeln im Sommer, Bild: Edeltraud Spee
Pyramidenpappeln im Sommer, Bild: Edeltraud Spee
Schwarzpappeln im Sommer, Bild: Edeltraud Spee
Schwarzpappeln im Sommer, Bild: Edeltraud Spee


Wie kam nun die Pappel an den Niederrhein? Die oft angeführte Meinung, dass Napoleon die Pappel zu uns brachte, ist nur bedingt richtig. Es stimmt, dass Napoleon uns die Pyramidenpappel ((Populus nigra "Italica") – die  heute sogenannte Hybridpappel - brachte, die er hier vornehmlich als Alleenbaum entlang der neugebauten Straßen
 anpflanzen ließ. Bei der Pyramidenpappel handelt es sich um eine Sorte, die sich vor langer Zeit in Oberitalien aus gewöhnlichen Schwarzpappeln auf natürliche Art durch Mutation entwickelt hat.
Richtig ist aber auch, dass es bereits vorher in unserer Gegend Pappeln gab. Aus geschichtlichen Dokumenten und auch Gemälden geht hervor, dass die Pappel bereits seit mehr als drei Jahrhunderte hier  kultiviert wurde, und dass die Schwarzpappel in den niederrheinischen Auen heimisch ist. Aber auch andere Pappelsorten wurden seit ca. zwei Jahrhunderten importiert. Kirchenrechnungen des Jülich-Indener Bereichs dokumentieren schon 1676 den Verkauf von Pappelholz.
Einer der Gründe für den Pappelanbau war zum Beispiel u.a. die Nutzung des Pappelholzes zur Herstellung von Holzschuhen. Aus diesem Grund heißt die Pappel in den Niederlanden „Klompen-Boom“.


Ende des Zweiten Weltkrieges und nach 1945 führte die Brennmittelknappheit zu übermäßiger Abholzung in den Wäldern und auch bei den Feldgehölzen. Um einen möglichst schnellen Holzersatz zu bekommen, wurde die schnellwüchsige Pappel verstärkt angepflanzt. Das führte zu einer regelrechten Pappelanbaubewegung“, die durch  Landeszuschüsse besonders gefördert wurde.  Alleine in den rheinischen Forstämtern wurde von 1949 bis 1952 der Anbau von 955.000  Pappeln mitfinanziert.
Das sehr weiche Pappelholz eignete sich auch zur Zündholzherstellung, es wurde außerdem zur Herstellung von Zigarrenkistchen, Paletten, Spanplatten oder Spanholzformteilen genutzt und vor allem zur Papier-, Pappe- und Zellstoffherstellung verarbeitet. Darüber hinaus eignete es sich für Schnitzarbeiten. Weitere Verwendung fanden Pappeln auch als Windschutz, zur Rekultivierung von Tagebaugebieten und auch zur schnellen Landschaftsbegrünung.
Heute ist Pappelholz als Wirtschaftsfaktor eher unbedeutend.

Jedoch eine Kuriosität am Rande: „In“ sind Heavy-Metall-Gitarren und Snowboards aus Pappelholz.


Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begann dann eine (zuweilen auch polemisch geführte) Diskussion über Wert und Unwert der Pappel am Niederrhein. Da hieß es, die Pappel sei im Gegensatz zu den Weiden landschaftsfremd für den Niederrhein und deshalb zu entfernen.
Wenn hier auch manchmal zu rigoros gegen die Pappelbestände vorgegangen wurde, so muss man heute auch erkennen, dass die Pappeln am Niederrhein doch immer mehr zu Sorgenkindern wurden.


Häufig wurden Pappeln, einheimische und nicht-einheimische direkt am Ufer von Gewässern angepflanzt. Das ist aber kein geeigneter Standort für sie. Pappeln gehören zu den Baumarten, die nur ein flaches Wurzelwerk ausbilden. Durch die flachen Wurzeln sind die Pappeln nicht gut im Boden verankert und können deshalb bei Sturm leicht entwurzelt werden. Außerdem weichen sie mit ihren Wurzeln der Bodenfeuchte im Ufer aus. Solche abbiegenden Wurzeln führen zur Auskolkung (Unterhöhlung) der Ufer und lassen die Böschung einstürzen und die Bäume umfallen. In der Folge kann es zu Einstauungen und Hochwasser kommen. Pappeln bieten so Überalterung, Krankheiten, Pilzbefall und in jüngster Zeit die zunehmenden Stürme dezimierten die Pappelbestände mehr und mehr.

 

Vom Pilz befallen (Fotos 2009, gefällt 2010), Bild: Edeltraud Spee
Vom Pilz befallen (Fotos 2009, gefällt 2010), Bild: Edeltraud Spee
Vom Pilz befallen (Fotos 2009, gefällt 2010), Bild: Edeltraud Spee
Vom Pilz befallen (Fotos 2009, gefällt 2010), Bild: Edeltraud Spee
Vom Sturm gefällt (2009), Bild: Edeltraud Spee
Vom Sturm gefällt (2009), Bild: Edeltraud Spee


Die Stämme mancher kranker oder vom Sturm abgeknickter Pappeln bieten immerhin Lebensraum für Vögel und Insekten, Bild: Edeltraud Spee

 

 

Aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes der Bäume hat z. B. auch der Niersverband im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht die Bäume begutachtet. Wenn die kranken Bäume eine Gefahrenquelle für Wanderer und Bootsfahrer darstellten, wurden sie gefällt und durch andere standortgerechte Bäume wie zum Beispiel Erlen – aber auch wieder durch Pappeln - ersetzt.
Dass allerdings im Mai 2012 in Clörath eine große Zahl von Pappeln gefällt wurde und nach bestehenden Landschaftsplänen noch weitere gefällt werden sollten, weckte den Unmut der Anwohner. Deshalb gründete sich die „Interessengemeinschaft Pappeln“, welche die Schutzwürdigkeit der Pappeln auf Landesebene klären möchte und bei notwendigen Fällungen die Wiederanpflanzung der den Niederrhein prägenden Hybridpappeln fordert.


Hoffen wir, dass hier künftig ein einvernehmlicher Kompromiss gefunden wird.

 

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