Nilgans

Veröffentlicht in "Dat Üdsche Heimatblätsche 2013" Heimatverein Oedt e.V.

 

Zusammengestellt von Edeltraud Spee
Beobachtet und fotografiert von Rita und Winfried Schöninger und Edeltraud Spee.

Unser heimischer Vogel

besser: unser neuer heimischer Vogel

Die Nilgans

(Alopochen aegyptiacus)

 

In diesem Jahr möchte ich über einen nichtheimischen Vogel berichten, der inzwischen aber hier heimisch wurde, und zwar über die aus Afrika stammende Nilgans.
Denn am 4. Mai 2012 wurde ich in aller Herrgottsfrühe von lauten, seltsamen Rufen geweckt und traute dann meinen verschlafenen Augen kaum. Auf meinem Rasen stand eine Nilgänsefamilie: Vater, Mutter und 5 ganz kleine Flaumbällchen. In den vergangenen Wochen hatte ich zwar immer wieder Gänsegeschnatter gehört, aber nicht im Traum daran gedacht, dass diese Exoten in einer hohen Tanne an meiner Gartengrenze gebrütet haben. Nachdem sie sich nun beruhigt hatten, fraßen sie mein Gras und badeten in meiner Vogeltränke.

04. Mai 2012
04. Mai 2012
04. Mai 2012
04. Mai 2012

 

Besser wäre gewesen, sie hätten sich bei meinen Nachbarn, Rita und Winfried Schöninger niedergelassen, weil die einen Teich haben. Solange die Kleinen nicht fliegen können, können sie meinen Garten nicht verlassen - dachte ich und stellte mich mal auf 75 Tage Belagerung ein (solange dauert es lt. Lexikon mindestens, bis sie flügge sind).

Mutter mit Kinderchen in meinem Blumen und Vater Gänserich als Wächter auf meinem Garagendach. Ich kaufte eine größere Tränke zum Baden und war jeden Morgen gespannt, was es bei Gänsens Neues gab.


Doch als ich 6. Mai nach fünfstündiger Abwesenheit nachhause kam, waren “meine” Gänse nicht mehr in meinem Garten, aber ich hörte sie noch – und ich fand sie auch: im Garten meiner Nachbarn am Teich. Meine Suche nach einem Loch im Zaun blieb erfolglos und ich konnte mir nicht erklären, wie die 5 Kleinen über den 1,50 m hohen Maschendrahtzaun gekommen waren. Meine Nachbarin erzählte mir dann wie: der Gänsevater rüber geflogen war und die Gänsemutter hatte die Jungen (alle bis auf eins) dazu gebracht, durch die Drahtmaschen zu schlüpfen. Danach hat der Gänserich das fünfte solange bedrängt, bis auch dieses sich durch die Drahtmaschen zwängte. Das ging natürlich nur, weil die Küken noch so klein waren. Ich wusste nicht, dass Nilgänse so intelligent sind – aber ich war froh, dass sie nun ihr Element, das Wasser, gefunden haben. Ein bisschen traurig war ich aber schon, dass sie nicht mehr bei mir waren.

Wie man sieht, fühlen sie sich im Wasser wohl
Wie man sieht, fühlen sie sich im Wasser wohl

 

Doch am nächsten Tag waren alle wieder bei mir und fraßen mein Gras. Sie hatten sich wieder durch den Maschendraht gezwängt und gegen Abend marschierten sie erneut zurück zum Teich, um morgens wieder zurückzukommen. Es war schon sehr interessant sie zu beobachten.

Die Mutter hudert und führt die Jungen und der Vater steht stundenlang da, manchmal auch auf dem Garagendach und hält Wache – so auch die ganze Nacht.

 

Die Kleinen wuchsen und gediehen und es war klar: bald würde der Maschendraht zu eng sein. Eines der Kleinen war bereits in den Maschen hängengeblieben und hatte sich dabei sich das Beinchen verletzt. Wir nannten es deshalb „Humpelienchen“. (Davon später mehr.) Kurz entschlossen schnitten wir nun eine Öffnung in den Zaun – und nun fraß die Gänsefamilie Tag für Tag bei mir das Gras, um dann beim Nachbarn Schöninger zu schwimmen und zu übernachten.


Und die Kleinen entwickelten sich, wie die folgenden Fotos zeigen:

16. Mai 2012/ 26. Mai 2012
16. Mai 2012/ 26. Mai 2012
10. Juni 2012
10. Juni 2012

 

Die Jungen wechselten ihr Flaumkleid in ein schönes Federkleid, ihre Beine färbten sich rosa und nach gut 10 Wochen, am 15. Juli konnte das erste Junge fliegen. Bis zum 23. Juli sind 4 Junge flügge und unternehmen Ausflüge mit den Eltern. Endlich am 28. Juli konnte auch das “Humpelienchen“ fliegen.


An diesem Tag sind die Gänseeltern mit vier Jungen endgültig weggeflogen. Humpelienchen aber haben sie zurückgelassen. So grausam ist die Natur eben, dachte ich. Meine Nachbarn haben Humpelienchen dann am 29. Juli zum Krickenbecker See gebracht und es dort zu einer anderen Nilgänsefamilie ins Wasser gesetzt. Dort gesellte es sich sofort zu den anderen und wurde nicht vertrieben sondern offensichtlich angenommen.

 

Rita Schöninger beendete ihr sorgfältig geführtes Gänsetagebuch mit den Worten „Ende einer schönen Zeit“.

Doch am 31. Juli wurden wir alle am frühen Morgen vom lauten wohlbekannten Geschrei der Gänsemutter geweckt. Sie war tatsächlich zurückgekommen, um das zurückgelassene Humpelienchen zu holen! Also doch keine Rabenmutter! Unverrichteter Dinge musste sie schließlich wieder wegfliegen. Hoffentlich wird Humpelienchen sich zu einer starken Gans entwickeln.


Wir haben „unsere“ Gänsefamilie mit ihren nun noch vier Jungen dann in unserem Biotop Burgbenden wiedergefunden, wo sie ihr neues Zuhause gefunden hat und sich sogar füttern ließ.
Seit Mitte September aber sind sie nicht mehr dort. Wir wissen nicht, wohin sie geflogen sind, und wir wissen auch nicht, ob sie im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Die Nilgans ist die einzige Vertreterin ihrer Gattung und gehört zu den Halbgänsen. Sie ist heimisch in Ägypten, wo sie als heiliger Vogel oder sogar Schöpfergott des Lichtes verehrt und auch als Ziervogel gehalten wurde. (Daher ihr Name Alopochen aegyptiacus = ägyptische Fuchsgans). Ihre Verbreitungsgebiete sind im Wesentlichen die nahrungsreichen afrikanischen Savannensümpfe und die ostafrikanischen Flussläufe. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie auch in Europa als Ziergeflügel gehalten. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verbreiteten sie sich als verwilderte Gefangenschaftsflüchtlinge von Holland aus nach Deutschland und entlang des Rheins bis zur Schweizer Grenze und über die Donau bis Österreich. Inzwischen findet man auch Populationen in etlichen anderen Bundesländern. Sie sind also sogen. Neozone (eingeschleppte Tiere und Pflanzen, die sich inzwischen hier angesiedelt haben). So sind sie zwar auch Zugvögel, sind aber in Deutschland nur noch Kurzstrecken-Zugvögel.
Ihre Größe liegt bei ca. 75 cm (das Männchen ist größer und kräftiger als das Weibchen), die Flügelspannweite liegt bei 135 cm. Ihr Gefieder ist recht bunt. So ist das Rückengefieder rotbraun, die Unterseite hellbeige und ein großer rotbrauner Fleck ziert ihre Brust. Die Augen sind ebenfalls braun umrahmt und Flügel und Bürzel sind an den Rändern blau, grün braun und weiß. Ihre Beine sind rosarot. Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch ihre Größe und durch ihre Laute. Das Männchen zischt im Wesentlichen nur, gibt aber beim Auffliegen Laute wie „wräd-wräd“ von sich, während das Weibchen laut und durchdringend schnattert und trompetet. Die Rosa-Färbung der Beine ist bei den Männchen intensiver und auch ihr Schnabel ist kräftiger. Die Jungtiere haben zuerst graubraune Beine, die sich später langsam rosa färben.


Nilgänse brüten am Boden, in Röhricht, in Gebüschen, zwischen Felsengestein aber auch in Bäumen. Hier in Höhlen oder auch in verlassenen Krähennestern.
Ihr Gelege besteht aus 5 – 12 Eiern, die vom Weibchen in ca. 28 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen sind Nestflüchter, d. h. sie sind nach dem Schlüpfen recht gut entwickelt und sie werden frühzeitig von ihren Eltern aus ihrem Nest geworfen und danach weiter am Boden aufgezogen, bewacht und umsorgt.
Nach ca. 75 Tagen werden sie flügge, bleiben aber noch mehrere Wochen oder auch Monate bei den Eltern.
Die Nahrung der Nilgänse ist überwiegend pflanzlich. Sie fressen Gräser und Sämereien aber auch Würmer und Schnecken. Parkvögel fressen auch Brot. Ihre Feinde sind Marder, Füchse und Marderhunde hierzulande aber auch der Mensch. In einigen Bundesländern dürfen sie aufgrund ihres dominanten  und auch nesträuberischen Verhaltens anderen Wasservögeln gegenüber gejagt werden.


In Freiheit lebende Gänsepaare – und so auch die Nilgänse sind monogam und bleiben ein Leben lang zusammen.

Die immer wachsamen Eltern
Die immer wachsamen Eltern

Weitere Bilder

Bilder: Schöninger

Steckbrief: Nilgans

Alopochen aegyptiacus

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