Gebäudebrüter

Wärmedämmung und Artenschutz

Hilfe für Haussperling, Hausrotschwanz, Mauersegler, Fledermaus und Co.

Grundsätzlich ist die energetische Sanierung von Gebäuden eine sinnvolle Investition in den Klimaschutz. Sie sichert heimische Arbeitsplätze im Handwerk und führt durch einen niedrigeren Energieverbrauch zu einer spürbaren Entlastung der Haushaltskasse von Hauseigentümern und Mietern. Ohne eine weitgehende Sanierung des Altbaubestandes wären auch die nationalen und internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz, zu der sich die Bundesrepublik Deutschland bekannt hat, nicht einzuhalten. Aus diesem Grunde Existieren auch eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten (z.B. zinsgünstige Kredite) um den „energetischen Sanierungsstau“ schnell zu beheben.

 

Konfliktsituation

 

Insbesondere bei der Wärmedämmung kommt es aber zu massiven Konflikten mit den Belangen des Artenschutzes. Durch die Dämmung gehen alle Nischen und Hohlräume, die bisher den Gebäude bewohnenden Arten als Brutplatz gedient haben, ersatzlos verloren. Dies geschieht oft unwissentlich und unbemerkt, da die Konfliktsituation den meisten Immobilienbesitzern zunächst nicht bewusst bzw. die Existenz von Brutplätzen am eigenen Gebäude nicht bekannt ist. Landes- und Bundesweit betrachtet gehen so jedes Jahr zehntausende (!) von Brut- und Quartiermöglichkeiten für Haussperling, Hausrotschwanz, Mauersegler und diversen Fledermausarten verloren.

Turmfalke, Bild: Rosl Rößner
Turmfalke, Bild: Rosl Rößner

Artenschutzrecht

 

Die Bundesrepublik Deutschland und somit auch Nordrhein-Westfalen sind aber nicht nur durch nationale und international Vereinbarungen, Abkommen und Gesetze zum Klimaschutz verpflichtet, sondern auch zum Artenschutz!

Alle wildlebenden Vögel (mit Ausnahme der verwilderten Haustauben) gehören nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zu den geschützten und Fledermäuse zu den streng geschützten Arten. Ihre Fortpflanzungs-, Ruhe- und Schlafstätten sind ganzjährig geschützt, sofern es sich um standorttreue Tiere handelt, was für die „Gebäudebrüter“ zutrifft. Die Quartiere der Tiere dürfen daher nicht zerstört oder verschlossen werden – auch nicht während der Abwesenheit. Ist im Rahmen einer Modernisierung oder bei einem Gebäudeabriss, das Verschließen oder Beseitigen einer Fortpflanzungs-, Ruhe- und Schlafstätte erforderlich, so ist vorab eine entsprechende Befreiung (Ausnahmegenehmigung) bei den örtlichen Naturschutzbehörden einzuholen. Erst diese Befreiung legitimiert die Beseitigung eines Neststandortes oder eines Fledermausquartiers in einem Zeitrahmen, wo sich aktuell weder Eier noch lebende Tiere befinden dürfen. Die Ausnahmegenehmigung ist in der Regel mit einer verbindlichen Auflage zur Schaffung von Ersatzquartieren verbunden, die einen räumlichen Bezug zum Eingriffsort haben müssen.

 

Vollzugsdefizite

 

Die gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der „Gebäudebrüter“ sind gegeben, es mangelt aber am Vollzug. Dies liegt unter andrem daran, dass die finanzielle und personelle Situation vieler Unterer Landschaftsbehörden nur unzureichend ist. Hinzu kommt, dass dem Gebäudebrüterschutz innerhalb der zuständigen Behörden nicht die Aufmerksamkeit zu Teil wird, die ein so bevölkerungsreiches Bundesland wie NRW verdient. Letzteres trifft übrigens auch für viele Orts- und Kreisgruppen der verschiedenen Naturschutzverbände zu.

 

Es wird daher im Gebäudebrüterschutz vielerorts nach dem Motto verfahren „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Dies will heißen, dass Behörden nur dann aktiv werden, wenn ihnen zu Sanierungsmaßnahmen konkrete Hinweise auf Gebäudebrüter zugetragen werden. Diese Form des reagierenden Artenschutzes, der zudem erst durch externe Hinweise in Gang kommt, wird den Vorgaben der unterschiedlichen Gesetze nur unzureichend gerecht. Eine agierende Form des Artenschutzes, indem die Städte und Gemeinden bei ihren eigenen Immobilien den Gebäudebrüterschutz konsequent umsetzen und so Referenzobjekte für interessierte Hausbesitzer vor Ort schaffen, ist bisher die große Ausnahme.

Wettfliegen, Gebaeudebrueter, Bild: Gerd Wellner
Wettfliegen, Gebaeudebrueter, Bild: Gerd Wellner

Ein Platz für Spatz & CO – Artenschutz an Gebäuden

 

Die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (SUE) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW und Kreisgruppe Hagen) haben in Kooperation mit der Biologischen Station Hagen das Artenschutzprojekt „Ein Platz für Spatz & CO – Artenschutz an Gebäuden“ ins Leben gerufen.

Immobilienbesitzern in NRW Wege aufzuzeigen, wie sich im Rahmen einer energetischen Sanierung Nischen und Hohlräume für Tiere erhalten bzw. schaffen lassen, ist das vorrangige Ziel dieser Kampagne.

 

Wärmedämmung und Artenschutz – ein lösbarer Konflikt

 

Es gibt oftmals für große Probleme kleine und oft überraschend simple und günstige Lösungsmöglichkeiten; so auch beim Schutz der Gebäudebrüter.

Die Firma Schwegler GmbH aus Schorndorf stellt spezielle Nistmöglichkeiten her, die in die Wärme-Dämm-Verbundsysteme integriert werden können. In Abhängigkeit von der Dicke des Dämmmaterials können diese Nisthilfen bündig eingebaut, überputzt und gestrichen werden, so dass letztlich nur noch die Einflugöffnungen zu sehen sind und nicht selten für Lüftungsschlitze gehalten werden (siehe Fotos).

während der Dämmarbeiten
während der Dämmarbeiten
Fertig verputzt
Fertig verputzt

Was kostet der Artenschutz?

 

Die alles entscheidende Frage ob unsere Gebäudebrüter auch langfristig eine Zukunft haben werden, hängt auch mit dem finanziellen Aufwand zusammen der damit verbunden ist.

Die nachfolgende Kostenaufstellung soll Ihnen hierzu erste Anhaltspunkte liefern und bezieht sich auf den Katalog Nummer 69 (2011/2012) der Firma Schwegler GmbH.

 

Kastentyp und Zubehör
Bewohner Stückpreis (incl. MW St.)
Sperlingskolonie 1SP Haussperling 73,28 Euro
Mauerseglerkasten 16 incl. Zubehör Mauersegler 87,09 Euro
Mauerseglerkasten WDV 1A Mauersegler 48,28 Euro
Einbaustein Typ 26 Hausrotschwanz 36,58 Euro
Fassadenreihe 1FR oder 2FR Fledermäuse 72,11 Euro
Fledermaus-Winterquartier 1WI Fledermäuse 104,32 Euro

 

Die Bereitschaft und die finanziellen Möglichkeiten der Hausbesitzer zur Investition in den Artenschutz sind natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Bedenkt man aber, dass der Einbaustein vom Typ 26 zum Beispiel „nur“ 36,58 Euro kostet oder eine Sperlingskolonie bereits für 73,28 Euro zu erwerben ist, so sollte doch zumindest die Realisierung einzelner Artenschutzmaßnahmen im Budget enthalten sein. Die Montage der Nisthilfen wird in der Regel durch die ausführenden Firmen ohne zusätzliche Kosten durchgeführt.

 

Beratung erwünscht ?

 

Sie als Eigenheimbesitzer oder ihr Vermieter möchte das Haus sanieren und plant eine Wärmedämmung, dann sollten sie sich bei uns melden. Wir würden ihnen oder ihrem Vermieter gern individuell beraten, wie man mit wenig Aufwand und geringen Kosten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten kann.

 

Weitere Informationen zur Kampagne „Ein Platz für Spatz & CO – Artenschutz an Gebäuden“ finden sie auch im Internet unter www.gebaeudebrueterschutz.de.

 

 

 

Projektbüro „Ein Platz für Spatz & CO“

 

Franco Cassese

 

Biologische Station Hagen

Haus Busch 2

58099 Hagen

 

Tel.: 02331/84888

Mail: info@biostation-hagen.de

Bild: NABU, Rolf Jürgens
Bild: NABU, Rolf Jürgens

Kreis Viersen

Gebäudebrüter nicht ausquartieren

Untere Landschaftsbehörde: Bei Abbruch und Sanierung auf Brutplätze achten

Bild: NABU, H. May
Bild: NABU, H. May

 

Gebäudebrüter wie  Mehlschwalben, Mauersegler, Zwergfledermäuse und Schleiereulen nutzen Bauten als Nist- und Ruheplätze. Die Untere Landschaftsbehörde Kreis Viersen weist darauf hin, dass  diese geschützten Arten durch Abriss- und Restaurierungsarbeiten gefährdet sind.

Bevor der Hammer zum Einsatz kommt, sollte man sicher sein, kein Nest zu zerstören. Wird das Gebäude als Nistplatz genutzt, sind die artenschutzrechtlichen Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes zu beachten. Danach ist es verboten, wild lebende Tiere dieser besonders geschützten Arten zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Da die Gebäudebrüter ihre Nester jährlich wiederkehrend nutzen, stehen auch ihre Nester unter Schutz und dürfen nicht achtlos entfernt werden.

Wer eine Sanierung plant, sollte sich vorab bei der Unteren Landschaftsbehörde informieren. Die Mitarbeiter erklären die weitere Vorgehensweise. In manchen Fällen sind Ausnahmen möglich. Verstöße gegen die artenschutzrechtlichen Bestimmungen werden mit Geldbußen geahndet.

 

Auskunft erteilt das Amt für Bauen, Landschaft und Planung,

Cornelie Falkenberg, Telefon 02162/391406.

 

www.kreis-viersen.de

MEHR ZUM THEMA

Plakette "Schwalbenfreundliches Haus"

Bei dieser Aktion belohnt der NABU all jene Hausbesitzer mit einer Plakette, die Schwalben an ihren Gebäuden brüten lassen und das Brutgeschehen sogar durch das Aufhängen von „Starthilfen“ für den Nestbau oder die Anlage einer Lehmpfütze fördern. Vor allem Hotels, Pensionen und Restaurants profitieren von dieser gut sichtbaren Auszeichnung, die den Betrieb als schwalben- und damit auch als naturfreundlich auszeichnet.

 

Mehr

Broschüre Naturschutz am Haus

mit Bauanleitungen für Nistkästen zum Download

NATURSCHUTZ AM HAUS
Format: A 4
Umfang: 40 Seiten, 4 Umschlagseiten
Layout: Nikolai Kraneis
Die Broschüre gibt es hier als PDF-Datei und kann auch als CD beim NABU-Landesverband Berlin angefordert werden.
Gebäudebrüter_NABU_Berlin.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.7 MB

Mauersegler suchen Nistplätze

6 Brutpaare haben in 2011 - 17 Junge aufgezogen

TURMFALKEN-WEBCAM

UNSER GRÜNES GREFRATH

POSTKARTEN

Erhältlich hier und in der Grefrather Buchhandlung

BILDER AUS GREFRATH


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