Die Kopfweide

12. November 2015

 

 

Zusammengestellt und fotografiert von Edeltraud Spee


Unser heimischer Baum

Die Kopfweide (Salicaceae)


Den Niederrhein prägen vor allem seine Weite, seine Wiesen und Felder, aber auch einige Baumarten sind typisch für diese Landschaft. Hier stellen wir Ihnen einen Baum, die Kopfweide (lat. = salicaceae) vor, die aus dem Landschaftsbild des Niederrheins nicht wegzudenken. ist.


Die Kopfweide ist eine Kulturform der Silber-Weide oder der Korb-Weide, die durch kontinuierliches Beschneiden entsteht. In etwa zwei Meter Höhe wird der Stamm der Weide abgeschnitten. Es bilden sich dann neue Triebe, die sich zu Ruten entwickeln.


Diese nun leicht erreichbaren Ruten werden alljährlich im Winter geschnitten und können zu verschiedenen Zwecken verwendet. werden. Am bekanntesten ist wohl, dass man sie früher zur Korbflechterei (Körbe, Geschosskörbe im Militärbereich, Kinderwiegen, Stuhlwaren, Reusen u.a.) oder zur Wandbefestigung in Lehm- und Fachwerkbauten benutzte. Es ist überliefert, dass schon die Kelten die Kunstfertigkeit des Korbflechtens beherrschten

Die Vielseitigkeit der Nutzungsmöglichkeiten reichte sogar von Bindegerten im Weinbau über Flechtarbeiten und Flechtzäunen bis zur Deich-, Bachufer- und Hangbefestigung.

Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus schreibt der römische Tribun Columella über die Verwendung der Weiden im Weinbau: „Pflanzt man die Weide an, um Bänder zu gewinnen, so kann man sie schon einjährig in Höhe von 2 ½ Fuß köpfen, damit sie aus dem Stumpf ausschlägt und wie ein niedriger Weinstock Arme bildet.“

Weidenholz benötigte man außer als Brennmaterial vor allem auch zur Holzschuhherstellung. Dabei zeichnete sich das Weidenholz gegenüber dem auch zu diesem Zweck gebrauchtem Pappelholz durch größere Wärmeerhaltung und Dauerhaftigkeit aus.



Heute ist die wirtschaftliche Nutzung eher gering. Dennoch werden die Bäume aus Naturschutzgründen weiter regelmäßig alle drei bis fünf Jahre beschnitten (Siehe Kopfbaumpflege), denn die einmal zu Kopfweiden geformten Bäume würden andernfalls unkontrolliert große Äste austreiben und die Stämme unter deren Last auseinanderbrechen.

 

Durch das ständige Entfernen der Kopftriebe verdickt der Stamm oben und die typische Form der Kopfweide entsteht.  Mit zunehmendem Alter werden diese immer knorriger, ihre Stämme dicker und dicker und morscher und morscher.

Nicht selten sind die Stämme fast hohl. Darin finden zahlreiche, auch bedrohte Tierarten ein Zuhause, so zum Beispiel der Steinkauz und verschiedene Fledermausarten. Auch  Steinmarder, Iltis, Siebenschläfer und Mäuse fühlen sich in den Hohlstämmen wohl. Dasselbe gilt auch für zahlreiche Schmetterlings- und Insektenarten.

 

 

Oft findet man auch Kopfweiden in Reih und Glied nebeneinander am Wiesenrand stehend, weil die dickeren Äste der Weiden früher oft einfach als Weidenzäune in die Erde gesteckt wurden, dann Wurzeln bildeten und zu Bäumchen heranwuchsen. Voraussetzung waren nährstoffreiche und grundwassernahe Böden. Deshalb findet man Weiden häufig in Flussauen wie zum Beispiel in unseren Niersauen.

Aus landschaftsbaulichen Gründen und zur Erhaltung der typischen Ökosysteme werden auch heute noch Kopfweiden angepflanzt und entsprechend gepflegt.

 

Die Leichtwüchsigkeit der Weiden nutzt man in manchen Gärten und Parks zum sogenannten „Lebendverbau“ zur Bildung von Stühlen und Bänken oder sogar von Bauwerken wie Weidendome, oder Lauben und Pergolen.

 

Auch die Malerei widmete sich dem landschaftsprägenden Motiv der Kopfweide in eindrucksvollen Werken. So unter anderen Pieter Breughel in seinen Bildern „Winterlandschaft“ und „Düsterer Tag“, in dem er sogar das Köpfen der Weiden darstellt.

 

Zum Schluss sei noch auf eine weitere Eigenschaft und Nutzung der vielseitigen Weiden hingewiesen.

In der Mythologie ist die Weide Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit der Erde, geweiht. Als heilender Baum nahm sie Unheil und Krankheit  durch einen Zauberspruch auf sich. Wer sich in einen hohlen Weidenstamm stellte konnte durch Gebete seine Krankheit, besonders Gicht oder Fieber „verbannen“.

In der Antike kannte Hippokrates die Heilwirkung der Weide und im Mittelalter verwandte Paracelsus Weidenrinde innerlich gegen Fieber und äußerlich gegen Warzen und Hühneraugen.

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (salicaceae) des bekannten Schmerz- und Fiebermittels „Aspirin“ basiert auf dem aus der  Weidenrinde gewonnene „Salicin“, das auch in heutigem Hühneraugenpflaster enthalten ist.

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